Sifu Salih Avci ist seit Jahren Mitglied der Fachgruppe "Sicherungstechniken zur Gefahrenabwehr im Justizvollzugsdienst NRW" und war maßgeblich an der Erarbeitung der neugefaßten Richtlinien beteiligt. Techniken des Avci WingTsun verbessern seither den Eigenschutz der Bediensteten im Justizvollzug.
Seit 1992 Training der SEKSeit 1992 trainiert Sifu Salih Avci die Spezialeinheiten (SEK) der Polizei des Landes NRW - eine Aufgabe mit hohen Ansprüchen und großer Verantwortung, die auch eine Anpassung des WingTsun bzw. Escrima an die realen Erfordernisse notwendig machte. Sifu Salih Avci gehört damit zu den wenigen Kampfkünstlern, die ihre Fähigkeiten regelmäßig unmittelbar in der Realität einsetzen müssen, was ihn nicht zuletzt zu einem funktionelleren Verständnis des WingTsun führte. Dieser "Crash-Test" des Avci WingTsun war und ist kein Selbstzweck, sondern sollte helfen, die Sicherheit der Polizeibeamten zu verbessern. Die Anwendung von Avci WingTsun bei den SEK hat eindeutig zu Verbesserungen des Eigenschutzes der Einsatzkräfte, aber auch zu einem verhältnismäßigeren Umgang mit Gewalttätern geführt.
Mitarbeit in der Fachgruppe des JustizministeriumsSo war es auch kein Zufall, dass Sifu Salih Avci die Mitarbeit in der Fachgruppe "Sicherungstechniken zur Gefahrenabwehr im Justizvollzugsdienst NRW" angeboten wurde. Eine Fachgruppe, die sich aus Jusitzvollzugsbeamten, die als Übungsleiter in der "Waffenlosen Selbstverteidigung" in verschiedenen Justizvollzugsanstalten in NRW und der Justizvollzugsschule NRW tätig sind sowie Polizeibeamten der Fortbildungsstelle der SEK "Carl Severing" zusammensetzt, erhielt 1996 vom Justizministerium den Auftrag, die Richtlinien zur "Waffenlosen Selbstverteidigung" zu erarbeiten und den aktuellen Erfordernissen anzupassen. Im Juni 1998 beendete die Gruppe ihren anspruchsvollen Arbeitsauftrag mit dem Entwurf der Richtlinien "Sicherungstechniken zur Gefahrenabwehr im Justizvollzugsdienst" und einer Bilddokumentation.
Neue Richtlinien

Die Richtlinien umfassen schnell erlernbare und äußerst effektive Techniken des Avci WingTsun. Dazu gehören insbesondere Schutzstellungen, Schutztechniken mit Armen und Beinen sowie Befreiungs- und Kontrolltechniken. Auch die Sicherungsstellungen und Eingriffstechniken sind durch den Einsatz von Avci WingTsun verbessert worden. Der Umgang mit dem Mehrzweckstock PR 24 (Tonfa) wurde ebenfalls von Sifu Salih Avci modifiziert. Charakteristisch z.B. für Schutzstellungen ist die Gewichtsverlagerung auf das hintere Bein - durch den Einsatz des vorderen Beines und das gleichzeitige Vorschieben der Arme werden Angriffe abgewehrt und situationsgerecht sinnvolle Techniken eingesetzt. Überraschende Situationen lassen sich dadurch einfach bewältigen und die Gleichzeitigkeit von verschiedenen Techniken überrascht ihrerseits den Angreifer. Die Schutz- und Abwehrtechniken hingegen sollen direkte Angriffe auf den Bediensteten wirkungslos werden lassen bzw. abschwächen. Schläge und Tritte des Angreifers werden mit den eigenen Armen und Beinen abgeleitet, gemildert oder - sofern notwendig -, gestoppt. Diese Techniken werden unterstützt durch die natürlichen menschlichen Abwehrreflexe. Eingesetzt werden unteranderem Cham Sao, Bong Sao, Tan Sao und Kao Sao sowie Bong-Gerk undYap-Gerk.
Regelmäßige Schulungen der JustizbedienstetenDie Beherrschung der Techniken wird durch die regelmäßige Teilnahme der Bediensteten des Justizvollzugs an Schulungen gewährleistet. Hierbei werden die Techniken teilweise in Teamarbeit eingeübt, wobei darauf geachtet wird, dass die Teams aus Bediensteten gebildet werden, die auch in ihren jeweiligen Bereichen zusammenarbeiten. Das Ziel ist dabei eine Steigerung des gegenseitigen Vertrauens sowie eine höhere Handlungskompetenz in Notsituationen.
Seit 1998 hat die Fachgruppe die Aufgabe, die Umsetzung der neuen Richtlinien zu begleiten, diesbezügliche Fortbildungsmaßnahmen zu entwickeln sowie die Richtlinien kontinuierlich anzupassen bzw. weiterzuentwickeln. Auf Tagungen und Informationsveranstaltungen, bei denen Vertreter des Justizministeriums, die Dezernatsleiter der JV-Ämter, Mitglieder der Verbindungsgruppe Polizei/Justiz sowie die Anstaltsleiterinnen und -leiter anwesend waren, erfuhren die neuen Richtlinien eine hohe Akzeptanz. Im Jahr 2000 fand schließlich der erste Fortbildungslehrgang an der Justizakademie NRW statt, um den Kreis der im Einsatz der neuen Sicherungstechniken erfahrenen und intensiv geschulten Bediensteten zu vergrößern und das Training in den Justizvollzugsanstalten durchführen zu könnenn. Diese Lehrgänge und Schulungen werden regelmäßig durch Sifu Salih Avci sowie Angehörige der SEK und der SEK-Fortbildungsstelle begleitet und unterstützt.
Die neuen Richtlinien führten auch zur Umbenennung des Lehrfachs "Waffenlose Selbstverteidigung" in "Training von Eingriffs- und Sicherungstechniken" an der Justizvollzugsschule NRW. Ein neuer Lehr-und Stoffverteilungsplan wurde in Anlehnung an die Richtlinien entwickelt. In diesem Lehrfach sollen die Anwärter schnell effiziente Techniken erlernen, die sie befähigen, auch ohne Waffengewalt rechtmäßig Vollzugs- und Sicherungsmaßnahmen durchzusetzen bzw. Angriffe abzuwehren und dabei gleichzeitig den Grundsatz der Verhältnismäßgkeit einzuhalten.
Alle Anwärter lernen Avci WingTsunZukünftig werden alle Anwärter des Justizvollzugs mit Techniken des Avci WingTsun vertraut gemacht. Diese sollen dem Anwärter im Dienstalltag helfen, unnötige Gefahren für Gesundheit sowohl der Bediensteten als auch der von dem Einsatz betroffenen Gefangenen zu vermeiden. Die Eingriffstechniken geben dem Bediensteten die Möglichkeit, eine Vielzahl von im Dienstalltagvorkommenden Konfliktsituationen durch den Einsatz körperlicher Gewalt angemessen zu beherrschen.
International präsentiertDass es sich bei den neuen Richtlinien um eine Neuerung handelt, die auch bei den höchsten Verwaltungsorganen des Justizvollzugs als äußerst effektiv und wichtig angesehen wird, zeigt die Tatsache, dass bereits eine Delegation, zu der auch Mitglieder der Fachgruppe gehören, die neuen Techniken im Ausland präsentierte. Die Delegation besuchte im Rahmen des vom Europarat getragenen "Project for Partnerships in thePenitentiary Fields" das Rechtsinstitut Wladimir. Das Rechtsinstitut Wladimir ist eine überregionale Einrichtung zur Ausbildung der Kadetten des russischen Justizvollzugs. In Form von Vorträgen und praktischen Demonstrationen der "Sicherungstechniken zur Gefahrenabwehr" mit Dozenten und Kadetten des Instituts wurden das Lernziel und die Lerninhalte der Richtlinien verdeutlicht. Die russischen Dozenten und Kadetten waren sehr interessiert an der Methodik, Didaktik und den präsentierten Techniken und beabsichtigen, die Zusammenarbeit zu intensivieren und z.B. den Lehr- und Stoffverteilungsplan der Justizvollzugsschule NRW bei der Ausbildung der Kadetten am Rechtsinstitut Wladimir mit einfließen zu lassen.
Mit Avci WingTsun Gefahrensituationen begegnenNicht zuletzt der erfolgreiche Einsatz des Avci WingTsun bei den SEK hat dazu geführt, dass nun fast alle Bedienstete imJustizvollzugsdienst NRW Techniken des Avci WingTsun lernen, um in Gefahrensituationen Problemstellungen adäquat begegnen zu können. Es ist unzweifelhaft, dass auch im Justizvollzug Avci WingTsun wirksam underfolgreich eingesetzt werden wird, da die in den Richtlinien aufgenommenen Techniken bereits höchsten Anforderungen entsprochen haben - der Dienstalltag der SEK dürfte wohl ein realistischer Testlauf für eine Kampfkunst in der Anwendung sein. Avci WingTsun leistet damit unter anderem einen entscheidenden Beitrag, das verhältnismäßige Vorgehen gegen Gefangene sowie den bestmöglichen Eigenschutz der handelnden Bediensteten zu gewährleisten.